Aus der Praxis getestet: MFT sTArs 9–99 von Anita Kittel und Nina T. Oster
Wer regelmäßig myofunktionelle Therapien durchführt, kennt die Herausforderung: Die Übungen funktionieren in der Therapiesitzung gut, die Umsetzung zu Hause ist jedoch häufig der entscheidende Knackpunkt. Umso wichtiger sind Materialien, die Patientinnen und Patienten auch außerhalb der Praxis verständlich anleiten und motivieren. In den vergangenen Monaten habe ich den Übungsblock „MFT sTArs 9–99" von Anita Kittel und Nina T. Oster in verschiedenen Therapiesituationen eingesetzt und möchte meine Erfahrungen teilen.

Der erste Eindruck
Bereits beim ersten Durchblättern fällt die klare Struktur des Materials auf. Die Übungen sind übersichtlich aufgebaut und sprachlich so formuliert, dass ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene sie weitgehend selbstständig bearbeiten können. Besonders hilfreich finde ich, dass die Übungen aufeinander aufbauen und sich gut in den individuellen Therapieverlauf integrieren lassen.
Im Praxisalltag spart das Zeit, da weniger zusätzliche Erklärungen oder selbst erstellte Hausaufgabenblätter notwendig sind. Gleichzeitig erhalten die Patientinnen und Patienten eine verlässliche Orientierung für das tägliche Üben.
Fallbeispiel 1: Frontaler Zungenschub nach kieferorthopädischer Behandlung
Eine 14-jährige Patientin wurde nach Abschluss ihrer kieferorthopädischen Behandlung zur myofunktionellen Therapie überwiesen. Trotz erfolgreicher Zahnkorrektur zeigte sich weiterhin eine Zungenruhelage am Mundboden sowie ein frontaler Zungenschub beim Schlucken.
Mit Hilfe des Übungsblocks konnten wir zunächst die Wahrnehmung für die korrekte Zungenposition verbessern. Besonders die Übungen zur Zungenruhelage und zum Ansaugen der Zunge am Gaumen wurden von der Patientin regelmäßig durchgeführt. Das Übungsprotokoll half dabei, die Trainingshäufigkeit transparent zu machen.
Nach einigen Wochen zeigte sich eine deutlich stabilere Zungenruhelage. In der Folge ließ sich auch das physiologische Schluckmuster leichter etablieren. Die Patientin berichtete zudem, dass die Anleitungen verständlich seien und sie die Übungen selbstständig durchführen könne.
Fallbeispiel 2: Sigmatismus mit begleitender myofunktioneller Störung
Ein weiterer Patient, 11 Jahre alt, wies einen persistierenden Sigmatismus auf. Schnell wurde deutlich, dass neben der Artikulationsstörung auch eine myofunktionelle Problematik mit niedriger Zungenruhelage und Lippeninsuffizienz bestand.
Hier erwies sich der Übungsblock als besonders hilfreich, da sich die mundmotorischen Übungen gut mit der Artikulationstherapie kombinieren ließen. Während wir in der Therapie an der Lautbildung arbeiteten, erhielt der Patient gezielte Übungen zur Stabilisierung der Zungenruhelage und des Schluckmusters für zu Hause.
Die Eltern berichteten, dass die klaren Anweisungen die tägliche Durchführung erleichterten. Nach einigen Monaten zeigte sich nicht nur eine Verbesserung der Aussprache, sondern auch eine deutlich bessere Lippen- und Zungenfunktion.
Was mir besonders gefällt
Aus therapeutischer Sicht überzeugt mich vor allem die hohe Alltagstauglichkeit des Materials. Die Übungen sind funktionell aufgebaut und orientieren sich an den zentralen Zielen der myofunktionellen Therapie. Gleichzeitig werden die Patientinnen und Patienten aktiv in den Therapieprozess eingebunden.
Positiv hervorzuheben ist außerdem die Altersgruppe, für die der Übungsblock konzipiert wurde. Während viele Materialien eher kindlich gestaltet sind, fühlen sich Jugendliche und Erwachsene hier ernst genommen. Das erhöht die Akzeptanz und damit häufig auch die Übungsmotivation.
Gibt es auch Grenzen?
Der Übungsblock ersetzt selbstverständlich keine fachliche Diagnostik oder individuelle Therapieplanung. Wie bei jedem Therapiematerial hängt der Erfolg davon ab, dass die Übungen passend ausgewählt, angeleitet und regelmäßig überprüft werden.
Für sehr junge Kinder oder Patientinnen und Patienten mit hohem Unterstützungsbedarf sind die Inhalte teilweise zu anspruchsvoll. In der vorgesehenen Zielgruppe ab etwa neun Jahren entfaltet das Material jedoch seine Stärken.
Mein Fazit
Der Übungsblock „MFT sTArs 9–99" hat sich in meinem Praxisalltag als wertvolle Ergänzung der myofunktionellen Therapie bewährt. Besonders die Kombination aus klarer Struktur, verständlichen Anleitungen und guter Übertragbarkeit in den Alltag macht das Material empfehlenswert.
Wer Jugendliche und Erwachsene mit orofazialen Dysfunktionen, Zungenruhelagenstörungen oder persistierendem Zungenschub behandelt, erhält mit diesem Übungsblock ein praxisnahes Werkzeug, das die Therapie sinnvoll unterstützt und die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten fördert.
Meine Bewertung aus der Praxis: 5 von 5 Sternen.
Erhältlich beim K2-Verlag
MFT sTArs 9–99, K2-Bestellnummer: 87410
